Was uns interessiert_ Helmut Kohl- DER KANZLER DER EINHEIT

Von Andreas Rinke und Thomas Seythal | Berlin

Berlin Helmut Kohl ist tot. „Wir trauern“, erklärten CDU und CSU am Freitag auf Twitter.

Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung starb der frühere Regierungschef am Morgen im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen. Politiker aus dem In- und Ausland äußerten sich tief betroffen. Der 1930 geborene Pfälzer war von 1982 bis 1998 der am längsten amtierende Bundeskanzler und führte von 1973 bis 1998 auch die CDU. In seiner Kanzlerschaft setzte er sich besonders für die Deutsche Einheit ein. Wenig später wurde die Einführung des Euros beschlossen. Auch darüber hinaus machte sich der studierte Historiker stets für die europäische Einigung stark. Nach seiner Abwahl als Kanzler bekam sein Image allerdings Risse: Wegen der CDU-Spendenaffäre überwarf er sich mit seiner Partei und weigerte sich seitdem beharrlich, die Namen der anonymen Geldgeber zu nennen.

„Helmut Kohl war ein großer Europäer und ein sehr guter Freund“, erklärte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. „Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht.“ Der Konservative kündigte an, dass die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf Halbmast gesetzt werden.[nL8N1JD4AT] Außenminister Sigmar Gabriel erklärte: „Es ist ein wirklich großer Deutscher gestorben.“ Kohl habe sehr viel für die Einheit Deutschlands und Europas getan.

Kohls Nachfolger Gerhard Schröder würdigte ihn als großen Patrioten und Europäer. „Obwohl wir im Jahr 1998 einen harten Wahlkampf gegeneinander geführt haben und in vielen politischen Fragen weit auseinander lagen und -liegen, habe ich für seine historische Leistung größten Respekt“, sagte der Sozialdemokrat dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, erklärte auf Twitter: „In tiefer Trauer um einen großen Deutschen und einen großen Europäer.“ Merkel selbst will sich am Abend in Rom äußern.

„EIN GROSSER EUROPÄER IST VON UNS GEGANGEN“

SPD-Chef Martin Schulz erklärte: „1989 war es seiner Geistesgegenwart, seinem politischen Mut und seiner Führungsstärke zu verdanken, dass die Wiederherstellung der Deutschen Einheit möglich wurde.“ Er habe sich für Deutschland und Europa Verdienste erworben, die nicht vergessen würden. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte, bei allem Streit mit seiner Partei hätten sich die Grünen gegenüber Kohl in einer Frage in großer Achtung verneigt: „Ein großer Europäer ist von uns gegangen.“

Die Todesursache war zunächst nicht bekannt. Der „Bild“ zufolge ging es Kohl bereits in den vergangenen Tagen schlecht. Er habe aber noch im Garten gesessen. Schließlich sei der 87-Jährige am Freitagmorgen in Anwesenheit seiner Frau Maike Kohl-Richter in seinem Bett entschlafen. Bereits in den vergangenen Jahren war der Politiker gesundheitlich schwer angeschlagen. Dennoch meldete er sich immer wieder zu politischen Themen zu Wort. (1)

(1) http://de.reuters.com/article/deutschland-kohl-idDEKBN1972CY

 

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